Betritt man den dichten Bambuswald in Sagano bei Kyoto, durchbrechen nur noch die rauschenden Bambusblätter und die gellenden Schreie der Vögel die Stille. Selbst die Luft scheint hier irgendwie anders zu sein. Im abendlichen Dämmerlicht, wenn kaum noch Leute im Wald sind, breitet sich die Einsamkeit und eine seltsame Melancholie aus. Während der Kirschblüte und der Laubfärbungszeit im Herbst werden die Gärten der Tempel oder Schreine in Kyoto beleuchtet. Man sollte sich aber auch die Bambusgärten nicht entgehen lassen, deren fantastischer Anblick sich nicht in Worte fassen lässt. Blickt man nach oben zum beleuchteten Bambusblätterdach, hat man das Gefühl von den Licht reflektierenden Blättern umarmt zu werden. Unwillkürlich versinkt man tief in eigene Gedanken. Besitzt Bambus eine mysteriöse Zauberkraft ?
Das Innere des Baumsrohrs, zwischen den Bambusknoten, ist hohl und kann als Behälter benutzt werden. Früher wurde aus Bambus eine Art Feldflasche gemacht. Heute findet Bambus als Blumengefäß im Teehäuschen oder als Sake-Trinkgefäß Verwendung. Aus einem Bambus-Behälter eingeschenkter Sake schmeckt herausragend, da der Sake nach Bambus duftet und das Grün des frisch geschlagenen Bambus uns ebenfalls erfrischt. Japanische traditionelle Musikinstrumente wie Shakuhachi, eine Längsflöte und Yokobue, eine Querflöte, werden auch aus Bambus hergestellt.
Bambus wurde und wird auch als Rohstoff für Haushaltswaren genutzt, da seine Fasern sehr stabil sind, z.B. Abtropfsiebe, Körbe, Bambusspieße, Wäschestangen, Angelruten, Zäune und und und.
Im Hōkokuji-Tempel in Kamakura kann man in einem Pavillion grünen Tee (Matcha) trinken und dabei den wunderschönen Bambusgarten bewundern. Auf dem Rückweg zum Bahnhof von Kamakura, auf der Komachi-Straße, kommt man automatisch an einem Bambuswarengeschäft namens Yamago vorbei. Hier erfreut der Anblick von winzigen wilden Blumen in einer kleinen Blumenvase aus geflochtenem Bambus. Das geschmackvolle und liebenswerte Arrangement entlockt unwillkürlich ein Lächeln.
Mit den Bambussprossen im Frühling kommen diese auch auf unseren Tisch. Bambussprossenreis oder gekochte Bambus- sprossen mit Seegras sollte man wirklich einmal probieren. Frisch geerntete Bambussprossen sind am selben Tag gegessen besonders schmackhaft. Aus der weichen Spitze kann man eine klare Suppe kochen. Die Mitte der Sprosse schmeckt entweder zusammen mit Seetang gekocht oder als Steak gebraten. Der etwas härtere Boden ist in Reis gekocht auch äußerst schmackhaft. So kann man sich den ganzen Bambusspross schmecken lassen.
